Das letzte Spiel der regulären Saison 2026 endete für die ifm Razorbacks Ravensburg mit einer deutlichen 21:52-Niederlage bei den Dresden Monarchs– gegen ein Team, das in dieser Spielzeit noch keine einzige Partie verloren hatte und als klarer Favorit in die Begegnung gegangen war. Vor einer Rekordkulisse von über 6.000 Footballfans im Heinz-Steyer-Stadion lieferten die Oberschwaben dennoch eine kämpferische Vorstellung, auch wenn die Höhe des Ergebnisses nicht vollständig widerspiegelt, was auf dem Rasen tatsächlich passiert war.

Schon vor dem Anpfiff war die Lage der Wildschweine durch mehrere Personalausfälle geschwächt. Nummer-eins-Receiver Anthony Harris Jr., der sich im Heimspiel gegen die Regensburg Phoenix den Fuß gebrochen hatte, fehlte ebenso wie Wide Receiver Aniel Buße. Defensive Lineman Joe Colic stand dem Team ebenfalls nicht mehr zur Verfügung. Headcoach John Gilligan hatte die Partie trotzdem angegriffen – „Wir fahren nach Dresden, um zu gewinnen” – doch sein Team brauchte mehr als ein Viertel, um wirklich ins Spiel zu finden.

Der Start verlief denkbar schwierig. Das zunächst gewählte Laufspiel über Lennies McFerren verpuffte auf dem nassen, schwierigen Untergrund des Heinz-Steyer-Stadions ohne Wirkung. McFerren rutschte immer wieder weg und verlor dabei auch einmal den Ball, den Dresden sofort sicherte. Auch Quarterback Broghean McGovern leistete sich einen Ballverlust. Die Monarchs bestraften jeden Fehler konsequent und lagen zur Mitte des zweiten Viertels bereits mit 21:0 in Führung. Den dritten Touchdown erzielten die Sachsen über einen Trickspielzug: Quarterback Rocky Lombardi warf zunächst rückwärts zu Montigo Moss, der den Ball dann zu Michael Breuler weiterwarf. Ravensburgs Defense erwischte der Spielzug auf dem falschen Fuß.

Offensive Coordinator Jake Suggett reagierte auf die Lage. Weg vom Laufspiel, hin zu einer offenen Formation ohne Runningback – und die Monarchs hatten sichtlich Probleme damit. „Wir haben gemerkt, dass sie damit große Schwierigkeiten hatten”, sagte Suggett nach dem Spiel. Die Umstellung brachte schnell Früchte: Tim Müller fand per Pass von McGovern die Endzone – 7:21. Dann schlug Niklas Herrmann zu und fing einen Pass des Dresdner Spielmachers ab. Mit 51 Sekunden auf der Uhr lief McGovern selbst in die Endzone – 14:21. Noch war Ravensburg im Spiel. Doch 26 Sekunden reichten den Monarchs, um per langem Pass in Fieldgoal-Reichweite zu kommen. Florian Finke verwandelte zum 24:14-Halbzeitstand. „Leider haben wir ein paar Bälle fallen gelassen und manchmal nicht die beste Entscheidung getroffen”, resümierte Suggett die erste Hälfte nüchtern. „Aber ansonsten konnte Dresden bis zum Ende keine richtige Antwort auf unsere Formation finden.” Diese Einschätzung machte den Ausgang der Partie gleichzeitig umso bitterer.

In der zweiten Hälfte brauchten die Wildschweine einen Defensivauftritt auf höchstem Niveau, um ein Comeback einzuleiten. Doch Defensive Coordinator Alex Gossett musste einen weiteren Rückschlag verkraften: Linebacker Henri Moudilou verließ das Feld verletzt. „Es war ein hartes Spiel. Wir sind gut gestartet, aber speziell zu Beginn konnte Dresden gut die Mismatches nutzen. Darauf haben wir reagiert und uns im zweiten Quarter stabilisiert”, erklärte Gossett. „Leider gab es dann Verletzungen, die erneut Mismatches erzeugten, die wir nicht mehr kompensieren konnten.” Eine ehrliche Analyse einer Partie, die defensiv in engen Grenzen spielbar gewesen wäre – wenn die personelle Substanz nicht so stark gelitten hätte.

Aidan Enneking erzielte noch einen Touchdown für die Gäste, doch Dresden legte durch Tofunmi Lala und Janne Särkelä nach und zog auf 38:21 davon. Eine Interception brachte die Monarchs erneut in Ballbesitz, ein einziger Spielzug reichte für den nächsten Treffer durch Jordi Torrededia. Den Schlusspunkt setzte ein kurzer Pass auf Michael Breuler zum 52:21-Endstand. Dass Dresden am Ende noch Ersatz-Quarterback Casey Thompson einwechselte, der ebenfalls ablieferte, zeigte, wie tief der Dresdner Kader an diesem Tag gestaffelt war. Vor 6.224 Zuschauern feierten die Monarchs anschließend nicht nur eine makellose reguläre Saison, sondern auch die Nordmeisterschaft.

Für die ifm Razorbacks beginnt nun die Vorbereitung auf das Play-off-Viertelfinale. Besonders bitter ist dabei die Konstellation in der Abschlusstabelle. Die ifm Razorbacks und die Pforzheim Wilddogs beenden die reguläre Saison mit jeweils acht Siegen und vier Niederlagen punktgleich. Auch der direkte Vergleich bringt keine Entscheidung: Pforzheim gewann das Hinspiel mit 28:10, Ravensburg das Rückspiel ebenfalls mit 28:10 – damit steht es aus beiden Begegnungen zusammengerechnet exakt 38:38. Nach dem Regelwerk entscheidet in diesem Fall die Spielpunkte-Differenz der gesamten Saison über die Platzierung. Und genau hier macht hat Pforzheim die Nase leicht vorn. Damit rutscht Ravensburg trotz derselben Anzahl an Siegen auf Rang drei ab. Statt eines Play-off-Heimspiels wartet damit nun auswärts der Nord-Zweite, die Potsdam Royals. Eine denkbar schwere Aufgabe – aber auch die Chance, in den Playoffs zu zeigen, dass die Oberschaben zu den besten Teams Deutschlands gehören.

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